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6 Min. Lesezeit

Website selbst erstellen oder machen lassen? Eine ehrliche Abwägung

Beide Wege funktionieren. Welcher passt, hängt weniger vom Budget ab als von drei Fragen: Wie viel Zeit hast du wirklich, wie wichtig ist Eigenständigkeit, und wer kümmert sich in zwei Jahren darum?

Kurz gesagt

Eine Website selbst zu erstellen lohnt sich, wenn Zeit vorhanden ist und ein Vorlagen-Design ausreicht: Mit einem Baukasten wie Wix oder Jimdo sind 20 bis 60 Stunden realistisch, die Softwarekosten liegen bei 10 bis 20 € monatlich. Ein Profi lohnt sich, sobald die Website Anfragen bringen soll, der eigene Stundensatz die Ersparnis übersteigt oder niemand im Betrieb die Seite dauerhaft pflegen kann.

Der ehrliche Zeitaufwand beim Selbermachen

Baukasten-Anbieter werben mit „Website in einer Stunde". Das trifft auf das Einsetzen einer Vorlage zu, nicht auf ein Ergebnis, das Kunden überzeugt.

Realistisch verteilt sich die Zeit so: Einarbeitung 3 bis 8 Stunden, Texte schreiben 8 bis 20 Stunden, Bilder beschaffen und aufbereiten 4 bis 10 Stunden, Layout und mobile Ansicht 5 bis 15 Stunden, rechtliche Seiten und Kontaktformular 3 bis 6 Stunden.

Der größte Posten ist fast immer das Texten. Die eigene Leistung so zu beschreiben, dass ein Fremder sie versteht und Vertrauen fasst, ist die schwierigste Teilaufgabe — und die, an der die meisten Selbstbau-Projekte hängen bleiben.

Wann Selbermachen die richtige Entscheidung ist

Es gibt klare Fälle, in denen ein Baukasten genügt.

  • Die Website ist eine digitale Visitenkarte, keine Anfragequelle. Kunden kommen über Empfehlung.
  • Du hast tatsächlich freie Zeit — nicht theoretisch, sondern zusammenhängende Abende oder Wochenenden.
  • Du arbeitest gern an so etwas. Wer sich quält, bricht auf halber Strecke ab und hat dann eine halbfertige Seite online.
  • Das Budget ist wirklich knapp. Dann ist eine selbstgebaute Seite besser als gar keine.

Wann ein Profi die günstigere Wahl ist

Rechne den eigenen Stundensatz ein. Bei 60 € pro Stunde und 40 Stunden Eigenarbeit stehen 2.400 € an entgangener Arbeitszeit gegen ein Angebot von 1.500 €. Die selbstgebaute Seite ist dann die teurere.

Der zweite Punkt ist die Pflege. Eine Website ist kein Möbelstück, das einmal aufgestellt wird. Öffnungszeiten ändern sich, Leistungen kommen dazu, Sicherheitslücken müssen geschlossen werden.

Ein realer Fall aus meiner Arbeit: Beim Biergarten Schlossallee Haag lief eine WordPress-Seite des Vorbesitzers, die niemand mehr pflegte. Das Kontaktformular funktionierte nicht — Anfragen kamen also gar nicht erst an, ohne dass es jemandem auffiel. Das ist das typische Ende einer nicht betreuten Seite.

Der Mittelweg, den viele übersehen

Zwischen Komplett-selbst und Komplett-abgeben liegt eine dritte Möglichkeit: Struktur und Technik vom Profi, Inhaltspflege selbst.

Du bekommst eine Seite, die technisch sauber ist, gut aussieht und gefunden wird — und kannst Texte, Öffnungszeiten oder Bilder anschließend selbst ändern. Das senkt die Einmalkosten und hält dich unabhängig.

Frage vor der Beauftragung konkret nach: Kann ich Inhalte selbst ändern? Bekomme ich eine Einweisung? Gehört mir die Domain? Drei klare Ja sprechen für ein faires Angebot.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, eine Website selbst zu erstellen?
Mit einem Baukasten sind 20 bis 60 Stunden realistisch, verteilt auf Einarbeitung, Texte, Bilder, Layout und rechtliche Pflichtseiten. Der größte Einzelposten ist das Schreiben der Texte.
Ist eine selbst erstellte Website schlechter für Google?
Nicht grundsätzlich. Moderne Baukästen liefern technisch brauchbare Seiten. Der Unterschied liegt meist im Inhalt: Suchmaschinen bewerten, ob eine Seite eine Frage beantwortet. Das hängt am Text, nicht am Werkzeug.
Kann ich eine vom Profi erstellte Website später selbst pflegen?
Das hängt vom Anbieter ab und sollte vor Beauftragung geklärt werden. Frage konkret, ob du Texte und Bilder selbst ändern kannst, ob du eine Einweisung bekommst und ob die Domain auf deinen Namen läuft.

Unsicher, was für dich passt?

Ich schaue mir deine Ausgangslage an und sage dir, was sinnvoll ist – auch wenn die ehrliche Antwort lautet, dass du keine neue Website brauchst.